
Wenn drei Buchstaben reihenweise Pulsfrequenzen in ungeahnte Höhen treiben, muss es sich wohl um einen Porsche handeln, der nicht genug davon bekommt, das Rennsport-Erbe auf die ohnehin schon gebeutelte Zivilisation loszulassen. Willkommen in der Welt von RS, RSR und GT – eine Buchstabensuppe, in der sich ausschließlich Genießer mit Benzin im Blut laben und die Alltagsfahrer irritiert die Stirn runzeln lässt: Ist das jetzt noch Auto oder längst rollende Legende?
Wenn Porsche die Komfortzone verlässt
Man könnte meinen, ein normaler Sportwagen reiche aus, um das eigene Ego ausreichend zu schmücken – aber nicht bei Porsche. Hier genügt der 911 niemandem, der im Standgas schon ins Schwitzen gerät. Für diese Menschen wurden RS, RSR und GT-Modelle designed: Straßenzugelassen, ja, aber eigentlich ein Missverständnis. Porsche lässt damit den Leopard im Stadtwald frei – und alle jubeln.
RS: Die Mutter aller Selbstüberschätzungen
RS – zu gut Deutsch „RennSport“. Dabei war der erste RS von 1973, der legendäre 911 Carrera RS 2.7, tatsächlich nur dafür gebaut, um einen Homologationspunkt auf der To-do-Liste des Motorsports abzuhaken. Leichter, lauter, sündhaft teuer – und im Alltag ungefähr so kompromisslos wie ein veganes Steakhaus in Texas. Dennoch: Heute beten ihn Sammler an, als hätte er den Heiligen Gral höchstselbst in Zuffenhausen abgeholt.
RSR: Noch kompromissloser geht immer
Wenn also RS schon grenzwertig ist, dann ist RSR das Äquivalent eines Motocross-Bikes beim Opernball. Die RSR-Modelle (RennSport Rennwagen) setzen der Kompromisslosigkeit endgültig den Überrollbügel auf: Breitere Backen, radikalere Technik, noch lauter. Ein Auto, das jedes Parkhaus zum Klangdom macht und im Supermarktparkplatz beim Umdrehen regelmäßig Tränen der Rührung hervorruft – oder Tinnitus, je nach Empfänger.
GT: Die drei Musketiere der Leistungsfrage
Und dann wären da noch die GT-Modelle, wahlweise auch nummeriert (GT2, GT3, GT4 – allesamt keine Lottozahlen, aber ähnliche Glücksgefühle). Hier wird ganz offiziell Motorsport für die Straße verkaufsfertig gemacht. Sind das noch Autos oder schon bewegte Museumsstücke? Kaum wird von Keramikbremsen, Käfig und Kohlefaser gesprochen, nickt der ambitionierte Käufer bedeutungsvoll – der Porsche GT ist kein Transportmittel, sondern ein Statement: „Ich könnte, wenn ich wollte – aber mein Nachbar soll’s hören.“
Von der Rennstrecke in den Feierabendverkehr
Ernsthaft gefragt: Muss das sein? Muss ein Auto, das in Monza schneller ist als das Licht, tatsächlich morgens am Bäcker vorfahren? Porsche sagt: Unbedingt. Denn was gibt es Schöneres, als die letzten Reste der Alltagsvernunft mit einer einziehbaren Spoilerkante und Schalensitzen aus Karbon mutwillig ad absurdum zu führen? War das Einkaufen jemals sportlicher?
Die Faszination am Unvernünftigen
Natürlich spottet die Fahrbarkeit solcher Fahrzeuge jeder automobilen Vernunft: Ob steinhartes Fahrwerk oder drehzahlgieriger Saugmotor, ob Klappenauspuff oder Sportreifen ohne Zulassung fürs nasse Laub – der Porsche-RS-Fahrer nimmt’s „sportlich“. Warum tut man sich das an? Weil es geht, weil der Nachbar’s niemals verstehen wird und weil jeder beherzte Tritt aufs Gaspedal klingt wie die Märchenstunde aus Zuffenhausen: Es war einmal der Mythos, und er lebt. Bis heute.
Technik für Puristen – Emotion als Serienausstattung
Technikspielereien werden bei diesen Modellen nur akzeptiert, wenn sie Performance bringen. Die Klimaautomatik bleibt da, wo sie hingehört: in der Optionsliste für andere Modelle. Ein RS oder GT will gedreht, geführt, gezähmt werden. Alles andere wäre doch – Gotteslästerung. Die Preise für diese Ikonen? Nebensache. Der Wert liegt schließlich im Überlegenheitsgefühl auf der Landstraße, wenn der „gewöhnliche“ 911er-Fahrer höflich Platz macht.
Moderne Mythen und die Zukunft der Wilden
Es ist erstaunlich, wie sich die Buchstaben RS, RSR und GT zu Markenzeichen einer sehr speziellen Klientel entwickelt haben. Hier trifft Hybris auf echte Ingenieurskunst. Und während die Welt über E-Autos diskutiert, treibt Porsche die Leidenschaft weiter an die Spitze: Hybrid-GT3s stehen schon in den Startlöchern, die Faszination bleibt, nur der Sound wechselt irgendwann von Orchester zu Elektrobeat.
Wer braucht’s? Und wer versteht’s?
Bleibt die Frage: Für wen macht Porsche das alles? Für Sammler mit zu viel Geld, für Besitzer endloser Garage oder für den Nachbarn, der schon wieder die Polizei wegen „Ruhestörung“ ruft? Vielleicht von allem etwas. Sicher ist: RS, RSR und GT sind der Beweis, dass die Sehnsucht nach purer Fahrdynamik kein Marketing-Hirngespinst, sondern ur-menschlicher Eskapismus in Blech ist.
Am Ende bleibt nur, sich zu verneigen vor so viel Konsequenz und Liebe zum Unsinnigen. Wer noch träumt, sollte es schnell tun: Die nächste Generation der Straßensportler steht schon bereit – möglicherweise leiser, aber sicher nicht langweiliger. Es bleibt der Trost, dass echter Mythos auch den Wandel wegsteckt. Bis zum nächsten Kaltstart.
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