Der Traction Avant – Frontantrieb, Monocoque, Revolution. Ein Auto, das seiner Zeit weit voraus war.

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Foto: KI-generiert

Wer glaubt, dass Autobau immer schon das uninspirierte Aneinanderreihen von Blech, Sitzmöbeln und vier Rädern war, der ist vermutlich noch nie in die Nähe eines Citroën Traction Avant gekommen. Kein Wunder – das revolutionäre Wunderwerk rollte bereits 1934 auf die Straßen und ließ Opel und Mercedes kollektiv im Schraubenschlüssel erstarren. Die Botschaft war klar: Wer auf Fortschritt allergisch reagiert, sollte dringend abbiegen!

Vorwärts, immer vorwärts – oder: Warum Rückschritte rückwärts machen

Der Name „Traction Avant“, also Frontantrieb, klingt heute so selbstverständlich wie Klimaanlagen im Wartezimmer. Doch damals? Eine Sensation, die den Stammtisch erschütterte. Citroën hatte nichts Besseres zu tun, als ein Konzept auf die Räder zu stellen, das sonst nur aerodynamischen Wolkenkuckucksheimen vorbehalten war. Während alle brav den Motor nach vorne und den Antrieb nach hinten legten – weil man das eben so machte – entschied Citroën kurzerhand: Wir fahren jetzt die Vorderräder an. Warum nicht gleich das Pferd von vorne aufzäumen?

Monocoque: Warum dicke Balken so 1920 sind

Die zweite Gänsehaut: der selbsttragende Aufbau. Bis dato wurde ein Chassis mit viel Liebe, Schweiß und ein bisschen Mut konstruiert, um darauf dann eine Karosserie zu thronen. Citroën? Flexte das Chassis einfach weg und verschmolz alles in einem cleveren Stück Blechpuzzle. Das war nicht nur leichter und sicherer (zumindest für die damaligen Verhältnisse), sondern zeigte der Konkurrenz, wie schwerfällig deren Einrahmungen inzwischen geworden waren. Innovation trifft Gewichtsklasse Federgewicht!

Technik, die begeistert – aber nicht zum Nachmachen animiert

Populär wurde der Traction Avant erst einmal nicht bei allen: Technik vom anderen Stern war schließlich eher was für die galaktisch Mutigen. Über zuverlässige Verzögerungen dank Scheibenbremsen oder spaßverderbende Kurvenstabilität sprach man in deutschen Automobilkreisen damals jedenfalls lieber nicht. Citroën dagegen lud ein: Steigen Sie ein, erfahren Sie, wie heute Morgen aussieht! Und fuhr prompt allen anderen davon (besonders in Kurven, versteht sich).

Design: Die Eleganz der Zweckmäßigkeit

Wer beim Traction Avant nach Zierrat oder Aluminium-Monstern sucht, sucht lange. Stattdessen: Klare Kanten, runde Bögen, eine Silhouette, die mehr nach maßgeschneidertem Smoking als nach Blechdose aussieht. Ironischerweise machten gerade diese Design-„Verweigerungen“ das Auto zur Ikone. Weniger Glitter, mehr Glanzleistung. Während andere im Chromrausch badeten, konzipierte Citroën Understatement, wie es im Guinness-Buch stehen könnte.

Eine Revolution – und die Probleme inklusive

Natürlich wäre es keine echte Citroën-Innovation, wenn sie nicht ein kleines bisschen am Abgrund spazieren gehen würde. Finanzielle Turbulenzen, Produktionsprobleme und ein Hauch Größenwahn begleiteten die Geburt des Traction Avant. Was heute als „Start-up-Mentalität“ glorifiziert wird, war damals haarsträubende Unsicherheit. Aber, Hand aufs Herz: Ohne dieses Genie, das den Wahnsinn umarmt, hätte der Automobilbau in den 1930er-Jahren genauso aufregend ausgesehen wie Omas Wohnzimmergardinen.

Kultobjekt wider Willen

Der Traction Avant war nie als Massenware gedacht, sondern als Statement gegen die allesverschlingende Mittelmäßigkeit. Ironie: Genau deshalb wurde er zum Liebling von Geheimagenten, Bankräubern und allerlei illustren Figuren. Wer schnell, elegant und mit maximaler Karosseriestabilität fliehen wollte, fand im Traction Avant den perfekten Komplizen. So wird man zur Legende – nicht trotz, sondern wegen seiner Eigenheiten.

Warum das Alles heute noch wichtig ist

Man könnte meinen, der Traction Avant sei ein Relikt, das in einer staubigen Ecke des Museums langsam patiniert. Doch die Wahrheit ist: Fast jedes moderne Auto trägt seinen „Fronttriebler“-Stempel. Ohne Citroëns revolutionäres Engagement würden wir immer noch an Kardanwellen rummurksen und wiegen uns von Kurve zu Kurve. Der Mut, damals alles anders zu machen, ist in Zeiten von Copy-Paste-Designs und Einheitsmodellen vielleicht der eigentliche Schatz.

Wer Innovation sucht, darf sich vom Scheitern nicht abschrecken lassen – das zeigt Citroën eindrucksvoll mit dem Traction Avant. Mut zur Revolution heißt eben auch, sich manchmal als Narr im eigenen Zirkus zu fühlen. Aber: Wer heute über den Einheitsbrei der Automobilwelt klagt, sollte sich lieber mal anschauen, wie viel köstlicher ein bisschen Citroën’sche Extravaganz schmecken kann. Also, warum nicht öfter einfach das Rad neu erfinden – und das Auto gleich mit?

   

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