
Frankreich – das Land von Stil, Revolution und, wie wir seit Jahrzehnten wissen, dem unübersichtlichen Kreisverkehr. Doch zwischen Baguette, Béret und Bürokratie existiert eine stille Institution, die zwar selten mit Gallic Flair, dafür aber umso mehr mit nationaler Ingenieurskunst glänzt: Peugeot. Wer bei französischer Industrie nur an streikende Raffinerien oder träge Staatskonzerne denkt, hat offensichtlich noch nie einen Peugeot-Fahrbericht mit dem Witz eines Wirtschaftsjournalisten gelesen. Willkommen in der ironisch präzisen Welt der Marke, die beweist, dass Trikoloren auch auf vier Rädern wehen können.
Industriegeschichte à la française – aber mit Ölkännchen
Peugeot als Innovationsmotor der französischen Industrie: eine Geschichte voller Glanzlichter, kleiner Pleiten und ironischer Wendungen. Man wird nicht zur ältesten noch existierenden Automarke Frankreichs, indem man jahrzehntelang einfach Autos zusammenschraubt. Nein, Peugeot hat das Zauberwort der Industrie früh begriffen: Serienfertigung. Noch bevor Henry Ford hupend durch Detroit fuhr, fragte sich Peugeot: Wie viele Franzosen passen eigentlich in einen Werkssaal? Und wie bringt man französische Lässigkeit mit technischer Disziplin zusammen, ohne dass der Betriebsrat Amok läuft?
Vom Sägeblatt zur Serienproduktion – typisch Peugeot?
Natürlich begann alles viel bescheidener. Die ersten Innovationen? Kaffe- und Pfeffermühlen. Peugeot verkaufte im 19. Jahrhundert Produkte, mit denen man heute in jedem Hipster-Café Eindruck schindet. Doch es blieb nicht bei Mühlen und Sägeblättern. Plötzlich ging es um Zahnräder, Maschinen und – oh là là – Automobile. Die Industriegeschichte Peugeots ist weniger eine gerade Autobahn, sondern mehr ein Kreisverkehr mit ewig drehenden Modellen und neuen Ideen an jeder Ausfahrt.
Innovation als nationale Tugend?
Hier zeigt sich der wahre Nationalstolz: Während andere Länder ihre Ingenieure in graue Anzüge stecken, trägt Peugeot-Innovation bisweilen gestreifte Hemden und einen Funken Größenwahn. Der erste Diesel-Pkw, revolutionäre Federungssysteme, selbst das allseits beliebte klavierlackierte Armaturenbrett – Peugeot hat es vorgemacht. Die Innovationslust der Marke war dabei nie Selbstzweck, sondern immer ein Herum-Tänzeln um die Grenze des technisch Machbaren und wirtschaftlich Zumutbaren. Chapeau!
Serienfertigung, oder: Mehr ist mehr (außer beim Gewinn)
Wer an französische Autos denkt, erwartet entweder Rollkunstlauf auf Kopfsteinpflaster oder avantgardistisch schiefverbaute Türen. Doch Peugeot gelang es tatsächlich, den Mythos der Serienproduktion nach Frankreich zu verpflanzen, ohne dabei den unverwechselbaren Charme aufzugeben. Oder zumindest meistens nicht. Die Fließbandproduktion ab den 1920er-Jahren machte aus Peugeot einen Big Player. Ja, man hätte beinahe geglaubt, der Slogan „Liberté, Égalité, Automobilité“ stamme aus Sochaux.
Der Arbeitsplatz als Bühne nationaler Identität
Was wäre die französische Industrie ohne die legendären Peugeot-Werke? Eine triste Landschaft aus leeren Kreidetafeln und ambitioniertem Zentralismus. So aber schuf Peugeot „Produktionskulturen“, in denen nicht nur Karosserien, sondern auch der französische Stolz geformt wurden. Und seien wir ehrlich: Wer schon einmal die Präzision gesehen hat, mit der ein 504 auf dem Fließband entsteht, weiß, was Zehntelsekunden im Kabarett des Alltags bedeuten.
Peugeot als französische Identitätsfrage
Und plötzlich dreht sich alles nur noch ums Auto. Peugeot ist mehr als nur ein Transportmittel – es ist ein Statement zur nationalen Identität. Schon der Werbeslogan „MOTION & e-MOTION“ klingt wie das Manifest einer intellektuell überforderten Literaturgesellschaft, die endlich entdeckt hat, dass Fahrdynamik auch Spaß machen kann. Peugeot wird in Frankreich nicht einfach gekauft. Peugeot wird gelebt, verteidigt, manchmal verflucht – und doch immer wieder gewählt.
Vive la différence – Der Peugeot im Weltmarkt
Auch international trägt Peugeot französische Industriekompetenz als Monogramm auf der Kühlerhaube spazieren. Wo der Citroën wild experimentiert und der Renault im Alltag verschwindet, bleibt Peugeot das Sinnbild der „kontrolliert emotionalen“ Mobilität. Kein Wunder, dass so viele Exportmodelle den Heimatmarkt mit stolz geschwellter Motorhaube verlassen – selbst wenn sie in Afrika, Asien oder Südamerika gelegentlich auf den ausgetrockneten Humus kultureller Missverständnisse prallen.
Nationalstolz auf Rädern: Mehr als Nostalgie
Peugeot beweist eindrücklich: Nationalstolz und Innovation schließen sich nicht aus, sie haben sogar denselben Fahrplan. Während andere Hersteller sich auf „Premium“ kaprizieren, bleibt Peugeot der Blechembryo der französischen Volksseele. Opa fährt 504, Papa schraubt am 205 herum und Töchterchen träumt vom E-208 – das ist Serienfertigung für alle Generationen, volksnah und ein wenig größenwahnsinnig. Wer hätte gedacht, dass so viel nationale Identität in einen Kofferraum passt?
In einer Welt, in der Autokonzerne immer gleichförmiger, immer beliebiger werden, bleibt Peugeot französisch – im Guten wie im leicht Skurrilen. Das Geheimnis? Innovation, Industrie und Identität. Oder, mit dem typischen Augenzwinkern der Franzosen: Ein Peugeot ist nur dann ein echter Peugeot, wenn sich mindestens ein Genie und zwei Gewerkschafter uneinig über die Ideallinie sind. Vielleicht macht genau das Peugeot zu einer so faszinierenden Ausnahmeerscheinung der europäischen Industriegeschichte. Bon voyage ins Zeitalter des nächsten französischen Voltec!
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