Hyperluxus als Kunstobjekt

Rascasse Motor Revue - Magazin über automobile Leidenschaft für Automobil-Enthusiasten mit Benzin im Blut

Skulptur, Designstatement, Sammlerstück – das sind die Worte, mit denen Hyperluxusfahrzeuge heute beschrieben werden, meistens in Begleitung eines überschwänglichen Lächelns oder nur leicht feuchten Augen. Natürlich ist es das einzig angemessene Vokabular für Objekte, die den Begriff „Gebrauchsgegenstand“ mit so viel Verachtung betrachten, wie eine Katze ein halbleeres Trockenfutter-Napf. Willkommen in der Welt, in der man keine Autos mehr kauft, sondern Kunst im XXL-Format – mit V8-Klanginstallation und garantierter Wertsteigerung, sofern das gute Stück überhaupt jemals auf öffentlicher Straße gesehen wird.

Die Dekadenz auf vier Rädern: Wenn Autos zu Skulpturen werden

Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein Museum der Moderne. Dort stehen Werke von Rodin, Koons und plötzlich, mitten in der Halle, ein glänzender Bolide mit handpolierten Karbonflächen und Leder, das aussieht, als stamme es aus einer anderen Galaxie. Die Grenze zwischen Fahrzeug und Exponat verschwimmt – denn im Hyperluxusbereich wird nicht gefahren, sondern ausgestellt, inszeniert, gehuldigt. Kunst zum Anfassen? Nur für den Besitzer, bitte!

Form folgt Funktion… oder war das nicht umgekehrt?

Während in der schnöden Autowelt von einst noch darüber diskutiert wurde, wie viele Golfbags in den Kofferraum passen oder wie tief der Tesla auflädt, ist das im Hyperluxus ein Affront. Hier stellt sich nicht die Frage, wie praktikabel ein Auto ist, sondern wie museal. Jeder Winkel, jede Naht, jedes Oberflächenfinish ist Designdramaturgie – eine Chiffre für jene, die glauben, den Preis eines Chagall originalgetreu schätzen zu können. Funktion? Ach, das wäre ja fast profan.

Der Kunde als Mäzen und Kurator

Kaum noch überraschend wird das Interesse an Hyperluxus häufig nicht durch automobile Begeisterung geweckt, sondern eben durch den ultimativen Wunsch nach Individualität und Inszenierung. Ein Pagani ist kein Fortbewegungsmittel. Ein Bugatti ist kein Auto. Sie sind Statements von Menschen, die alles haben – außer noch dieses eine rollende Kunstwerk. Die Bestellung erfolgt nach Kriterien, die Rembrandt vermutlich stolz gemacht hätten: Ob Himmelblau oder Puderrosa – erlaubt ist, was Staunen verspricht.

Handwerkskunst als neue Renaissance

Und was wäre große Kunst ohne den Pinselstrich des Künstlers? Keine Spur von Massenproduktion oder Fließbandtristesse. Ob Zierteile aus meteoritenversetztem Aluminium oder Sitze in Walfischleder – es ist das handwerkliche Genie, das ein Hyperluxusfahrzeug zum Museumsstück erhebt. Die tägliche Produktion kann man an einer Hand abzählen, und das ist wohlwollend gerechnet. Jeder Handgriff ein Zweifel an der Existenz von Zweckrationalität.

Design als religiöse Erfahrung

Es klingt paradox, aber Design wird in dieser Liga nicht als Mittel zum Zweck betrachtet, sondern als Selbstzweck. Wobei – der Zweck ist natürlich, Aufmerksamkeit zu generieren, aber eben auf dezente, für die Massen völlig unverständliche Weise. Hyperluxusfahrzeuge sind für das Auge gemacht, nicht für die Strasse. Wer mit so etwas zum Supermarkt fährt, hat das Prinzip ohnehin nicht verstanden.

Hyperluxus: Das bessere Gemälde?

Früher wurde Kunst an die Wand gehängt, heute kann man sie auf vier Rädern durchs Land schieben – allerdings bevorzugt mit geschlossenem Transporter, versteht sich. Der Erkennungswert solcher Fahrzeuge bleibt einer Elite vorbehalten, die auch in der Lage ist, eine Basquiat-Signatur von einem gewöhnlichen Autogramm zu unterscheiden. Autos, die gar keine sein wollen, sind eben der ultimative Status – und das nicht nur im eigenen Fuhrpark, sondern auch in den Auktionskatalogen dieser Welt.

Über Kunst, Geld und Bedeutung

Kunst sei das, was keine Funktion mehr hat außer der eigenen Existenz, sinnierten die Intellektuellen der Jahrhundertwende. Im Hyperluxus weiß man: Kunst ist alles, was mehr kostet als ein durchschnittlicher Innenstadt-Quadratmeter in Paris. Aber Wert bemisst sich nicht nach Zweck, sondern nach Geschichte, nach Ästhetik und, ja, nach dem unnachahmlichen Gefühl, etwas zu besitzen, das in jedem anderen Kontext völlig absurd erscheint. Wer will schon einen Picasso fahren?

Bei Hyperluxusfahrzeugen zählt nicht der Sprint auf 100, sondern der Sprint zur nächsten Sotheby’s-Auktion – oder zumindest zum nächsten diskreten Fototermin im eigenen Banktresor. Sie stehen für Exklusivität, Grenzüberschreitung und den offensiven Umgang mit Überfluss – und darin offenbart sich ihre wahre Kunst. Denn Hyperluxus ist dort am wertvollsten, wo keiner hinschaut. Wer es dennoch sieht, weiß, dass er gerade Zeuge von rollender Kunstgeschichte wurde.

   

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