
Es gibt Dinge im Leben, die ändern sich nie: Die Sonne geht im Osten auf, Franzosen streiten über den besten Käse – und Peugeot trägt einen Löwen im Logo. Offenbar reicht es nicht, einfach gute Autos zu bauen; nein, es muss ein fauchender Löwe den Kühlergrill zieren, als wolle er jedem übermütigen Kleinwagenfahrer suggerieren: „An mir kommt keiner vorbei!“ Ein französischer Fabelakt, den wir heute in seiner vollen Pracht betrachten dürfen.
Ein Tier für alle Fälle: Warum ausgerechnet ein Löwe?
Als Peugeot 1858 zum allerersten Mal auf die bizarre Idee kam, einen Löwen zu verwenden, gab es noch keine Influencer, keine Social Media Kanäle und auch keinen Konzern, der mit süßen Ottern als Maskottchen experimentierte. Nein, Peugeot nahm das majestätischste Raubtier, das zur Verfügung stand – und verpflanzte es vom afrikanischen Kontinent auf europäische Motorhauben. Schließlich sollte das Tier für etwas stehen: Kraft, Schnelligkeit, Präzision – eben all das, was ein durchschnittlicher Peugeot-Fahrer in einer französischen Rushhour so nötig hat.
Symbolik à la Carte: Kraft, Präzision und natürlich Stolz
In der Symbollandschaft der Automobilhersteller – zwischen langweilig gestylten Initialen und italienischen Pferden im Steigflug – wirkt der Peugeot-Löwe geradezu revolutionär. Er steht stolz auf seinen vier Pfoten, als wolle er den Boulevard Saint-Germain dominieren, und schwingt dabei lässig seine Pranke. Die Aussage ist klar: Wer einen Peugeot fährt, ist nicht nur irgendein Teil der Masse, sondern besitzt ein wenig wildes Charisma – oder er hält es zumindest für eine sinnvolle Investition.
Vom Sägeblatt zum Raubtier: Die Evolution des Logos
Ursprünglich war der Löwe gar kein Löwe im klassisch-felligen Sinne, sondern rosig illustriert auf Sägeblättern der Peugeot-Dynastie präsent. Angeblich, weil das Sägeblatt so scharf sei wie die Zähne eines Löwen. Da kann man nur hoffen, die historischen Kunden haben nie probiert, Schrauben mit einem Löwen zu zerbeißen.
Mit der Zeit verließ der Löwe die Holzbretter zugunsten der glänzenden Karosserien, evolvierte zum Familienwappen und bekam einen Look verpasst, der mehr nach Chrom als nach Zoologie roch. Ein Wechselbad zwischen aufrecht stehendem Raubtier, stilisiertem Umriss und jüngst dem minimalistischen Wappen-Look – der, zugegeben, endlich den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft hat. Weniger ist mehr, solange es nach Löwe aussieht (und nicht nach schlecht rasiertem Yorkshire Terrier).
Markenidentität auf den Punkt gebracht
In einer Welt, in der die automobile Einheitssoße in Lavagrau, Fehlschwarz und Möchtegern-Retrogrün daherrollt, ist ein Löwe im Logo fast schon radikaler Mainstream. Peugeot zieht eben lieber mit vier Pfoten durch die Innenstädte als mit gefräßigen Ökosiegeln oder künstlich ironisiertem Hipster-Image. Die Botschaft ist: „Wir waren schon cool, als Tesla noch ein serbischer Nachname war.“ Und das kann nicht jeder von sich behaupten.
Das biestige Wappentier im Alltag
Seien wir ehrlich: Wer heute einen Peugeot fährt, entscheidet sich nicht aus Angst vor Understatement. Das Raubtier an der Motorhaube ruft sofort Nachbarn auf den Plan, die glauben, man hätte heimlich im Lotto gewonnen oder für den nächsten Fußballclub signiert. Dabei geht es nicht um den goldenen Käfig, sondern um ganz handfeste Dinge: Alltagstauglichkeit, ein bisschen Stolz und vielleicht die leise Hoffnung, dass man beim nächsten Überholmanöver nicht in der Anonymität der Sparpaketwagen verschwindet.
Der Löwe taugt als Sinnbild am besten dann, wenn es darauf ankommt, im Staube der Großstadt nicht unterzugehen. Wem das zu theatralisch klingt, dem sei ein Blick auf die Mitbewerber empfohlen: Da wird betende Hände, illusionistische Kreise und verquere Flügel-Designs gepredigt. Peugeot hingegen setzt auf das Einfache – und gibt dem Fahrer ein Gefühl von „Ich könnte, wenn ich wollte“. Ein bisschen wie beim Nachbarschaftsduell an der Ampel: Keine Frage, wer hier als König der Straße losbrüllt.
Ikonographie als Marketingmagie?
Natürlich lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob ein Löwe heute noch lebt oder nur im Photoshop-Archiv lacht. Doch eines steht fest: Er ist mehr als nur Deko. Das Logo vermittelt, was jedem siebten Meeting und jeder dritten Werbekampagne fehlt: Haltung. Während andere Automobilhersteller zur Selbstverleugnung tendieren, beharrt Peugeot weiter darauf, dass man mit Raubkatzen stets auf der sicheren Seite fährt.
Wie sonst erklärt sich, dass selbst Kleinwagen mit dem Löwen-Emblem herumlaufen, als hätten sie gerade wilde Jagdszenen im Großstadtdschungel überlebt? Hier wird das Logo bewusst als Gegenentwurf zu jeder Bedenkenträger-Mentalität inszeniert: Unbeirrbar, minimalistisch und mit einem Hauch französischem Trotz. Modeerscheinungen? Anderen vorbehalten. Der Löwe bleibt – und damit auch ein Stück Identität in einer immer gleichförmigeren Fahrzeugwelt.
So bleibt der Löwe von Peugeot das, was er immer war und, wenn wir ehrlich sind, hoffentlich auch bleiben wird: Zeichen wider den Strom, Symbol für tragbaren Stolz und ein unverwechselbares Statement in einer Ära, in der Marken oft mehr nach Windrichtung agieren als nach Haltung. Peugeot zeigt seinen Kunden: Wer Wert auf Substanz legt, kann ruhig ein bisschen fauchen – zumindest im Straßenbild.
Haben auch Sie ein Business oder ein Projekt über das es sich lohnt zu berichten? Schreiben Sie uns!
