
Drei Begriffe, drei Philosophien: Cabrio, Roadster, Speedster. Wer glaubt, diese Synonyme für Frischluftvergnügen ließen sich wahllos austauschen, hat vermutlich auch keinen Unterschied zwischen Filterkaffee, Flat White und Cappuccino erkannt. Zeit also für eine ironisch-pointierte Einordnung, die jedem echten Autofanatiker die Tränensäcke zum Beben bringt – und allen anderen das Schmunzeln lehrt.
Warum es nie nur um Offenheit geht
Offen fahren – das klingt nach Aussteigen aus dem Alltag. Doch offen ist nicht gleich offen. Ein Cabrio ist nicht per se ein Roadster und schon gar kein Speedster. Der deutsche Sprachgebrauch bringt es hier auf den Punkt: Es gibt Unterschiede, und die sind nicht nur fürs Feuilleton erschreckend relevant. Der Unterschied entscheidet schließlich, ob man bei der Fahrt ins Büro nur den Friseur beeindrucken will oder ob man sich im sonntäglichen Kurvenrausch mit den elementaren Kräften der Fahrphysik versöhnen möchte.
Der Cabrio-Kosmos: Komfort ist kein Schimpfwort
Das Cabriolet – oder, für Facebook-Kommentatoren: das Cabrio – ist der alltagstaugliche Kompromiss. Vier Sitze, Windschott, Heizung. Wer behauptet, im Cabrio stünde der Genuss im Vordergrund, hat im Regen mit geschlossenen Scheiben noch nie auf den elektrischen Verdeck-Knopf gedrückt. Das Cabrio ist ein Fahrzeug für Hedonisten mit Rücksicht auf die Frisur. Die Zielgruppe: Genießer, Ästheten und jene, die auch beim Frischluftfahren den Komfort eines Fond-Sitzes benötigen. Und ja, der Kofferraum ist da – für die Picknickdecke, für die Einkaufstüten oder für das nächste Ich-weiß-noch-nicht-Wohin.
Roadster: Das Fahrzeug für den minimalistisch Ambitionierten
Wer lieber etwas für den Körper tun möchte (und für die Lachmuskeln der Mitfahrer), liegt beim Roadster richtig. Zwei Sitze, keine Kompromisse, kaum Dach, noch weniger Rücksicht auf Rückenschmerzen. Roadster fahren ist ein Statement: Wer im Roadster einsteigt, signalisiert, dass Bequemlichkeit überschätzt wird und der reinste Fahrspaß mit möglichst wenig Metall zwischen Mensch und Wind stattfindet. Roadster-Pilot sein heißt, den Deospray zum treuesten Begleiter zu machen – denn der Fahrtwind folgt garantiert dem Gesetz der maximalen Zerstörung jeder noch so vorsichtigen Frisur.
Speedster: Die radikale Reduktion in ihrer schönsten, unbequemsten Form
Nun, der Speedster – das ist die Religion für jene, die selbst den Roadster für zu behäbig halten. Reduktion? Unterschätzung. Im Speedster gibt es meist kaum noch ein Dach, manchmal nicht einmal eine Windschutzscheibe. Dieses Vehikel ist ein Fingerzeig an alle, denen Komfort nicht nur gleichgültig, sondern ein Greuel ist. Wer einen Porsche 356 Speedster bewegt, weiß, was Minimalismus bedeutet: Einstecken, festhalten, hoffen. Jeder Regentropfen wird zum Erlebnis, jede Mücke zum proteinreichen Snack – und währenddessen fühlt man sich wie ein Held auf Rädern, für den selbst die Amsel Respekt zollt. Ein Speedster ist weniger ein Auto, mehr eine philosophische Erklärung gegen alles, was vernünftig scheint.
Mythen, Missverständnisse und die ewige Suche nach Abgrenzung
Die Welt der offenen Automobile ist voll von Mythen. Und noch voller Missverständnisse. Der Daumenregel nach gilt: „Cabrio ist für Genießer, Roadster für Fahrdynamiker, Speedster für lebensmüde Hedonisten.“ Doch wehe dem, der diese Kategorien als in Stein gemeißelt betrachtet! Denn Autobauer lieben es, Definitionen zu dehnen, bis sie knacken wie das knusprige Baguette auf der Rückbank eines 911 Targa. So wird aus manchem Cabrio plötzlich ein Roadster – in Pressemitteilungen jedenfalls – und umgekehrt. Marketing kennt eben keine Tradition, sondern nur den nächsten Euro.
Was ist nun wirklich was?
Um der Verwirrung Herr zu werden, hilft vielleicht eine Einordnung: Das Cabrio ist das offene Auto mit Alltagslizenz und bequem abgepolstertem Allerwertesten. Der Roadster wäscht Rücksichtslosigkeit mit Fahrfreude rein. Und der Speedster? Der Speedster ist die Antwort, wenn die Frage war: „Braucht es wirklich noch ein Teil mehr am Auto?“. Die richtige Wahl trifft selbstverständlich der Kenner, der erst nach penibler Abwägung seiner Lebensphilosophie entscheidet – oder nach dem Zustand seiner Wirbelsäule.
Sind Cabrios, Roadster und Speedster noch zeitgemäß?
Mancher würde sagen: Nein. In Zeiten von spritsparenden SUVs, Leasingraten mit sechs Nullen und veganen Autositzen wirkt ein Speedster wie Rotwein zum Frühstück. Doch Wahrheit, liebe Freunde, ist ein relativer Begriff. Freiheit ist nie out. Denn selbst der aussterbende Speedster ist für wahre Fans ein Fanal gegen die schleichende Automobil-Langeweile. Auf der Rückfahrbank eines Cabrios lässt sich übrigens hervorragend über die Ironie der Moderne sinnieren – oder wenigstens über den Preis von Friseurbesuchen nach einer windigen Landpartie.
So bleibt die Fahrt mit Cabrio, Roadster und Speedster am Ende eine höchst persönliche Herzensangelegenheit – und ein vergnügliches Statement gegen jede Form von automobilen Fensterhebern und Doppelschichtverglasung. Für Außenstehende mag das verrückt wirken. Für Eingeweihte ist es die einzig logische Konsequenz. Wer Freiheit will, muss eben manchmal ein bisschen frieren – und sich das Lächeln trotzdem nicht aus dem Gesicht wehen lassen. Also: Dach auf, Ironie in den Rückspiegel und genießen, was bleibt – das Wechselspiel von Asphalt, Himmel und dem ganz großen Gefühl der Reduktion.
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