Peugeot und Design: Eleganz ohne Exzess. Die Entwicklung der Formensprache.

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Manche Automarken versuchen, die Aufmerksamkeit der Straße mit mehr Chrom, extravaganter Beleuchtung und einem Hang zu Übertreibungen zu gewinnen. Peugeot – ach, der stille Franzose! – hält sich hingegen konsequent zurück und erfindet dabei das Understatement mit einer charmanten Prise Lässigkeit. Während andere Marken versuchen, mit überzeichneten Kühlergrills die Evolution zurück in die Ära der Dinosaurier zu feiern, zelebriert Peugeot die Kunst des Designs im Sinne von „Weniger ist mehr.“

Beinahe eleganter Minimalismus – oder: Die Zurückhaltung als Spektakel

Peugeot hat verstanden, dass Eleganz keine Frage des Prunks, sondern der Balance ist. Franzosen haben Modestil, das ist bekannt. Aber dass sie auch Autos so kleiden können, dass sie im Großstadtverkehr fast schon modisch wirken, wird oft unterschätzt. Die klare Linienführung, die geschwungenen, aber nicht verspielten Konturen, die perfekte Dosierung von Kanten – der Peugeot stellt sich selbst nie zu sehr ins Zentrum, aber schafft es doch, immer beachtet zu werden. Fast so, als wäre die schnörkellose Eleganz ein gutes Glas Bordeaux unter den Bieren der automobilen Massenfertigung – still, pointiert und ohne Kopfschmerzen am nächsten Tag.

Von eckigen Relikten zu sanften Skulpturen: Ein kurzer Ausritt durch die Jahrzehnte

Werfen wir einen Blick zurück in die Zeit, als Peugeot-Modelle noch an stromlinienförmige Kühlschränke erinnerten und mit Design wenig am Hut hatten – Hauptsache, sie waren da. Die 1960er und 70er brachten erste zarte Anflüge französischer Chic, aber stets mit der beruhigenden Gewissheit, dass niemand durch zu viel Aufregung beim Design von der Arbeit abgehalten wird. Erst mit der Zeit entdecken die Löwen von Peugeot, dass Kurven nicht nur auf Rennstrecken gut aussehen, sondern auch als Kotflügel.

Die 80er, ja, die 80er – hier drohte kurz Verwechslungsgefahr mit italienischer Verspieltheit. Aber Peugeot ließ sich nicht in Versuchung führen. Ein Hauch von Extravaganz, aber immer kontrolliert, fast so, als hätten die Designer Angst, dass die Mittagspause zu kurz für allzu ambitionierte Linienwürfe werden könnte.

Der designierte Understatement-König am Markt

Peugeot hat es tatsächlich geschafft, Design lauter zu machen, indem man eben nicht laut wurde. Keine Flügelchen, keine Gimmicks, kein Effektfeuerwerk – statt dessen Proportionen, die funktionieren, Materialübergänge, die selbst deutschen Autobauern ein anerkennendes Nicken abverlangen, und Licht-Signaturen, die zwischen Tag und Traum eindeutig Peugeot schreien (ohne es zu müssen).

Der aktuelle Designansatz von Peugeot ist vielleicht die ultimative Resignation gegenüber dem automobilen Größenwahn: Es gibt Chrom, aber nicht überall. Es gibt Digitalanzeigen, aber nicht, um alle Insassen in Hypnose zu versetzen. Sogar die emblematische Löwenpfote in den Tagfahrlichtern – ein Design-Gimmick, so subtil, dass es beinahe an Ironie grenzt.

Form follows Function: Der französische Pragmatismus hinter dem Design

Anders als manch andere Mitbewerber, die beim Versuch, Lifestyle-Statements auf vier Rädern zu gestalten, regelmäßig das ergonomische Minimum einreißen, bleibt bei Peugeot die Funktion herrlich geerdet. Die Linie des Armaturenbretts folgt nicht dem Ego des Designers, sondern – man glaubt es kaum – dem Blickwinkel des Fahrers. Anstelle von Pseudo-Luxus dominieren hochwertige Materialien, die nicht nach Schiffskapitäns-Lounge, sondern nach Alltagstauglichkeit aussehen. Sogar die Stoffmuster verkneifen sich den Versuch, ein modernes Museum für abstrakte Kunst zu sein.

Der französische Trick: Souveränität statt Selbstbeweihräucherung

Peugeot setzt nicht auf Schockmomente oder Effekthascherei, sondern kultiviert eine Ruhe im Design, die fast schon provokant wirkt. Die Marken-Philosophie atmet durch jedes Detail: „Wir könnten richtig laut, aber wir wollen nicht.“ Natürlich, Eleganz bei Peugeot bedeutet eben nicht, dass man das Auto nach jedem Parkplatzbesuch mit weißen Handschuhen prüfen muss.

Die Designsprache balanciert zwischen Moderne und Zeitlosigkeit – Trends werden allenfalls zitiert, niemals kopiert. Das Ergebnis: Fahrzeuge, die sich in jedem Jahrzehnt wohlfühlen, ohne als mobile Werbesäule für den Zeitgeist zu enden. Peugeot bleibt so eigenständig – und das ist bei der französischen Liebe zum Individualismus vermutlich keine Überraschung.

Design als Überlebensstrategie

Dass sich Peugeot mit ihrer formalen Zurückhaltung langfristig erfolgreich behauptet, könnte als fahrlässige Selbstbeschränkung ausgelegt werden. Doch gerade diese Zurückhaltung garantiert Wiedererkennbarkeit, ein bisschen Distinktion für den Alltag – ohne dem Nachbarn permanent unter die Nase zu reiben, dass man sein Auto nach dem Design ausgesucht hat.

Peugeot zeigt damit, dass Design eine Frage der Haltung ist: Man fährt Peugeot, weil man verstanden hat, dass Stil manchmal im Verzicht liegt. Oder weil man den generösen Abstand zu Designkatastrophen anderer Hersteller artig schätzt.

Während andere Marken sich damit beschäftigen, mit immer extremeren Designs zu polarisieren, bleibt Peugeot souverän französisch: ein bisschen schick, ein bisschen pragmatisch, nie laut und immer stilvoll – wie der Mantel von Yves Saint Laurent in einer Welt voller Polyesterjacken. Wer einen Peugeot fährt, lehnt Designexzesse bewusst ab und genießt die leise, angenehme Souveränität eines Fahrzeugs, das aus „Wenig“ das Beste macht. Und das ist, seien wir ehrlich, ohnehin die anspruchsvollste Disziplin im Automobildesign.

   

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