Bugatti: Unersetzliche Preziosen aus der Bugatti-Geschichte kommen nach Hause ins elsäßische Molsheim

Bugatti: Unersetzliche Preziosen aus der Bugatti-Geschichte kommen nach Hause ins elsäßische Molsheim
Die erste Reise der Autos in ihrem neuen Besitz führte sie zum Château Saint Jean in Molsheim, der Heimat von Bugatti Automobiles. Foto: Bugatti

Gleich eine ganze Sammlung außergewöhnlicher, unrestaurierter Bugatti-Fahrzeuge stand viele Jahre sorgfältig gepflegt in einem weiträumigen Haus in der Schweiz. Jetzt hat diese von Hans Matti über Jahrzehnte liebevoll aufgebaute Sammlung einen neuen Hüter gefunden und die erste Reise unter ihrem neuen Eigentümer hat die Fahrzeuge zum Château Saint Jean in Molsheim geführt, wo Bugatti Automobiles zu hause ist.

Die Heimkehr dieser Fahrzeuge an ihren Ursprungsort ist ein passender Einstieg in das neueste Kapitel ihres Lebens. Hans Matti hat sein Leben dem Aufbau dieser Sammlung gewidmet und hat Originalfotografien, Magazinartikel, Bücher und Werksmitteilungen über die Fahrzeuge zusammengetragen. Er hat nicht nur die Fahrzeuge gesammelt, sondern ihre Geschichte vollständig recherchiert. Als Archivar des Bugatti Club Suisse ist Hans Matti einer der kenntnisreichsten Experten der Welt für die Grand-Prix-Fahrzeuge von Bugatti.

Bugatti: Unersetzliche Preziosen aus der Bugatti-Geschichte kommen nach Hause ins elsäßische Molsheim
Ein Gefühl von Geschichte umgibt das Château, das erfüllt ist mit fast einem Jahrhundert Bugatti-Tradition. Foto: Bugatti

In der außerordentlichen Sammlung befinden sich ein Bugatti Type 51, der als eines der am originalsten erhaltenen Modelle gilt, ein bemerkenswert gut erhaltener Type 37A, ein Type 49 Faux Cabriolet mit kurzem Fahrgestell und einer Karosserie von Jean Bugatti – das einzige weltweit erhaltene Beispiel –, ein Type 35B und ein Type 35A mit dem einzigen erhaltenen Motor und Fahrgestell und der einzigen erhaltenen Hinterachse des Type 36. Hans Matti hat sich verständlicherweise nur ungern von dieser einmaligen Sammlung getrennt. Die Gespräche über den Kauf der Sammlung liefen über zweieinhalb Jahre und sogar Caroline Bugatti, die Enkelin von Ettore Bugatti, war an den Verhandlungen beteiligt.

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Der Type 49 war das persönliche Fahrzeug von Jean Bugatti und trägt die Initialen „JB“ auf den Türen. Foto: Bugatti

Der Type 51 – ein Grand-Prix-Werksrennwagen – wurde nie restauriert oder neu lackiert und trägt die Zeichen von 90 Jahren Rennsport und Fahrvergnügen. Hier ist die ursprüngliche Kunstfertigkeit des Teams von Ettore Bugatti sichtbar und der Wagen zeigt stolz die Spuren seines ereignisreichen Lebens. Der Type 49 war das persönliche Fahrzeug von Jean Bugatti und trägt die Initialen „JB“ auf den Türen. Modelle des Type 49, deren Karosserie wie bei diesem Exemplar im Werk von Bugatti entworfen und gebaut wurde, sind äußerst rar und kein anderer existierender Type 49 verfügt über die einzigartige Faux-Cabriolet-Karosserie. Noch unglaublicher ist, dass dieser Type 51 und der Type 49 gemeinsam im selben Transporter zu ihren ersten privaten Eigentümern transportiert wurden. Mit ihrer Wiedervereinigung schließt sich ein Kreis, der bereits in den 1930er-Jahren seinen Anfang genommen hat.

Der Type 51 in der Sammlung hat sein Leben als einer der letzten je gebauten Type 35B begonnen, ein Grand-Prix-Werksrennwagen, der seinerzeit von Louis Chiron gefahren wurde, dem Namensgeber des neuesten Hypersportwagen von Bugatti. Im Zuge der Weiterentwicklung des Type 35 – der als erfolgreichster Rennwagen aller Zeiten gilt –, entwickelte Bugatti einen neuen fortschrittlichen Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen und ein neues Fahrzeug, das von diesem Motor angetrieben werden soll: den Type 51. Der neue Antrieb wurde in diesen Wagen eingebaut, der damit zu einem der allerersten Type 51 wurde, ausgestattet mit Motor Nummer 1 und in Rennen gefahren von Achille Varzi und anderen Motorsporthelden der Zeit. Varzi wird bei Bugatti bis heute in Ehren gehalten. Zur Feier des 100. Geburtstags der Marke wurde ein spezieller Centenaire Edition Veyron „Achille Varzi“ vorgestellt. Mit Teilnahmen in Monaco und Monza, beim Targa Florio und bei vielen weiteren Rennen kann dieser Wagen eine eindrucksvolle Renngeschichte aufweisen. Eine weitere wichtige Verbindung ergibt sich dadurch, dass der in der ursprünglichen Ausführung dieses Wagens als Type 35B eingebaute Grand-Prix-Motor in einen anderen Type 35B aus dieser Sammlung eingebaut wurde, bevor dieser als Neuwagen verkauft wurde.

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Der Type 37A ist einen Fahrzeug aus der langen Linie der Bugattis mit Kompressor. Foto: Bugatti PR

Eine der herausragenden Rennstrecken der frühen Rennsportära war Montlhéry in Frankreich. Die Strecke war bekannt für ihre Hochgeschwindigkeits-Steilkurven, aber auch für ihren außerordentlich unebenen Belag. Bugattis detailgenauer Konstruktionsansatz führte zur Entwicklung eines neuen Modells für die Rennen in Montlhéry: des Type 36. Mit seiner starren Hinterachse würde dieser Wagen besser mit den schwierigen Bedingungen dieser besonderen Rennstrecke zurechtkommen. Zwei Varianten wurden gebaut. Das spätere Modell erhielt einen Kompressor und gilt gemeinhin als der erste Bugatti mit Kompressor. Doch ihre Rennlaufbahn war nur von kurzer Dauer, und die beiden einzigen gebauten Type 36 wurden zerstört. Übrig blieben nur Motor, Getriebe und Hinterachse eines der beiden Wagen, die sich jetzt in einem Type 35A in dieser Sammlung befinden – einem weiteren Einzelstück aus der Geschichte von Bugatti.

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Der Type 35B hat jetzt den originalen Type 51 Motor. Foto: Bugatti PR

Vervollständigt werden die fünf Bugatti-Fahrzeuge in der Sammlung durch einen Type 37A aus der langen Linie der Bugattis mit Kompressor, die vermutlich mit dem Type 36 begann. Auch dieser Wagen ist vollständig im Originalzustand erhalten, mit entsprechenden Seriennummern der Bauteile und allen Eigentümern sowie seine umfangreiche Renngeschichte – die auch heute noch nicht abgeschlossen ist – wurden detailliert bis zum ersten Besitzer im Jahr 1929 zurückverfolgt. Der Type 37 galt bei vielen seiner Fahrer als Spitzenfahrzeug für die Voiturette-Klasse, aber mit dem Hinzufügen eines Kompressors – womit er zum Type 37A wurde – konnte der leistungsstarke Vierzylindermotor die Höchstgeschwindigkeit von bisher 144 km/h auf über 193 km/h erhöhen. Nur 76 Modelle wurden von Bugatti mit einem Kompressor ausgestattet. Sie waren beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, beim Mille Miglia, beim Targa Florio und bei vielen weiteren Rennen vertreten.

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Der Type 35A ist das einzige existierende Auto mit einem Type 36-Motor. (Foto: Bugatti PR)

Diese einzigartige Fahrzeugsammlung tritt jetzt in ihre dritte Ära ein. Die erste begann mit dem Verkauf der Neuwagen und die zweite verbrachten die Fahrzeuge unter der sorgfältigen Fürsorge von Hans Matti. Jetzt werden sie als wichtige Zeugnisse der Geschichte von Bugatti in ihrem ursprünglichen, unrestaurierten Zustand bewahrt. Als sie alle am Château Saint Jean versammelt waren – einem Ort, den Ettore Bugatti gekauft hat, um seine Kunden zu empfangen, und der nach wie vor ein wesentliches Element der Bugatti-Legende ist –, fühlte es sich fast so an, als wären sie nie weg gewesen. Ein Gefühl von Geschichte umgibt das Château, das erfüllt ist mit fast einem Jahrhundert Bugatti-Tradition.

Christophe Piochon, Präsident von Bugatti Automobiles, sagte: „Wir sind eine Marke, die zur Inspiration immer wieder auf das Genie unseres Gründers zurückgreift. Der wichtigste Aspekt eines Bugatti war für Ettore, dass er unvergleichlich ist. Er muss eine Klasse für sich bilden. Vermutlich bringt uns nichts der Vision von Ettore so nahe, wie seine Kreationen in dem Zustand zu sehen, in dem sie das Werk verlassen haben. Die originalen Nieten, die Lackierung und insbesondere die sorgfältige Konstruktion, die diese Fahrzeuge und letztendlich seinen Erfolg ausgemacht hat. Diese Sammlung und die Geschichten der Fahrzeuge sind von unschätzbarem Wert und wir fühlen uns geehrt, sie im Zuhause von Bugatti Automobiles begrüßen zu dürfen. Auf dem Weg in eine neue Ära von Bugatti werden diese bahnbrechenden Modelle uns als Inspiration dienen.“

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